Die Zeit heilt alle Wunden

Immer wieder diese scheiß Trauer über deinen Tod. Warum kann man sowas manchmal nicht einfach ausblenden und für einen kurzen Augenblick vergessen? Vergessen, wie das Leben war, als du noch lebtest. Nicht daran denken, wie es wäre, wenn du noch leben würdest. Was ich dir alles nicht erzählen konnte, wen ich dir alles nicht zeigen konnte.

Immer wieder dieselben Bilder, die gleichen Gedanken, tausend Tränen.

Zum Glück hast du dafür gesorgt, dass die Nacht über Menschen für mich da waren, die mich getröstet haben, die mir zugehört und mich in den Arm genommen haben. Und einen, der meine Hand die ganze Nacht über kein einziges Mal losließ.

Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist, wenn man sich einsam fühlt.

Und es ist noch viel schöner, zu merken, dass du Spuren hinterlassen hast. Heute, an deinem Geburtstag, beim Spiel St.Pauli gegen Hamburg, warst du dabei. Ich konnte dich wieder im Raum spüren.

Ich vermisse dich so. Den Tod anderer zu akzeptieren erscheint manchmal so unglaublich schwer.

Die Zeit heilt alle Wunden. Wenn es doch nur so wäre...

Kommentare:

  1. Oh nein:(
    du hast mein tiefstes Mitgefühl, Herzprinzessin.
    Liebe Grüße
    Schmetterling.

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  2. oh je du arme :(
    ich kenne das gefühl einen menschen zu verlieren und bei mir hat es jahre gedauert bis ich "drüber weg" war...

    wer war es denn bei dir?

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  3. Danke, ihr Lieben. ♥


    @ina: Mein Vater. Gestern war sein Geburtstag.

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  4. Erst ein mal möchte ich sagen, dass der Text hier so herzzereissend schön geschrieben wurde.

    Und, Achtung, jetzt folgt eventuell ein etwas längerer Kommentar mit teilweise unnötigem Gelaber.

    Eine gute Freundin wurde uns vor einigen Jahren - damals war sie noch zarte sechzehn - plötzlich aus der Mitte gerissen. Schon damals hatte ich einen merkwürdigen Draht zu den "kalten Fingern des Todes". Als Kind ist es immer eine andere Sache gewesen, jemand war da und dann starb er - Großmütter oder -väter, Tanten, Onkel, Bekannte - aber war man sich je der Existenz der einzelnen Personen bewusst?
    Ich war es mir nie. Sobald man aber alt genug ist um die plötzliche Nicht-Existenz eines Menschen zu realisieren, sobald die Erinnerungen stärker sind und im Hinterkopf herumspuken, ist es irgendwie vollkommen anders.
    Die Person ist nicht mehr anwesend und irgendwann, nach einer kurzen (oder langen) Zeit der Trauer, scheint jeder darüber hinweg zu kommen, jeder lebt seinen Alltag weiter und ich frage mich persönlich jedes mal, wie sowas funktionieren soll. Wie man einfach "weitermachen" kann, als hätte die Person nie existierst, als wäre sie nie dagewesen. Todesnachrichten, ob von nahestehenden Menschen oder flüchtigen Bekanntschaften, nehmen mich immer mit. Der Gedanke, dass er oder sie nicht mehr unter uns weilt, dass es ihn einfach nicht mehr gibt oder meinetwegen, wenn man an einen Himmel, an eine Hölle oder an ein Leben nach dem Tod glauben möchte, irgendwo verweilt, auf uns niederblickt und sich mitansieht, wie wir alle weitermachen und uns gelegentlich von den Erinnerungen berauschen und tragen lassen, stimmt mich traurig, melancholisch, merkwürdig.

    Ich habe meinen Vater Anfang dieses Jahres an den Krebs verloren und obwohl ich schon immer im Hinterkopf darauf vorbereitet war, blieb (und bleibt) es ein schweres Stück Arbeit das alles zu verarbeiten und zu akzeptieren. Es spielt dabei nicht mal eine Rolle, was für eine und ob wir überhaupt eine Bindung zu einander hatten. Wir können nicht mehr das retten, was möglicherweise gerettet hätte werden können, nichts mehr sagen, was wir vielleicht ausgesprochen hätten, nichts mehr tun, was wir mit großer Wahrscheinlich sowieso nie getan hätten.

    Der Tod ist an sich eine so einfache, unkomplizierte Sache. Das Leben ist es. Man wird geboren, setzt vielleicht ein paar Kinder in die Welt und stirbt irgendwann wieder. Die Hinterbliebenen; die Trauer, die Einsamkeit; sich bewusst zu machen, dass nichts mehr so sein wird, wie es ein mal war; alles, was zurückbleibt, ist das, was uns so zerfrisst.

    Dazu fällt mir noch ein Songtextauszug ein, der so schön passt.

    Tape ain't gonna fix it honey
    It ain't gonna stick to you
    [...]
    Time ain't gonna cure you honey
    Time don't give a shit
    Time ain't gonna cure you honey
    Time's just gonna hit on you

    The Kills - Tape Song

    In diesem Sinne,
    liebste Grüße und ein "Tut mir leid" für den Unsinn, den ich möglicherweise verzapft habe.

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  5. @terrorhase: Danke für deinen so langen Kommentar, der alles andere als Unsinn war.

    Du hast das "weitermachen" angesprochen.

    "Wie man einfach "weitermachen" kann, als hätte die Person nie existierst, als wäre sie nie dagewesen."

    Aber ich denke, so ist es doch gar nicht. Man macht doch nicht weiter und tut so, als wäre diese Person nie dagewesen. Zumindest mir geht es so.

    Das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir war nie das beste, trotzdem stand er mir von allen aus der Familie am nächsten. Seit er(wie dein Vater auch, an Krebs, allerdings eher "unvorbereitet") gestorben ist, hat sich nicht nur mein Leben geändert, sondern auch vieles in mir. Er hat mein Leben, als er noch gelebt hat, sehr beeinflusst und Spuren hinterlassen. Für mich ist er nie ganz aus meinem Leben verschwunden... und seit seinem Tod weiß ich, wie wichtig es ist, die Zeit, die man selber hat, zu nutzen.

    Heute habe ich viel mehr Kontakt zu anderen Familienmitgliedern (außer Mutter+Geschwister), als ich es vorher je hatte. Freundschaften, die ich heute knüpfe, sind teilweise viel intensiver als sie es je waren.

    Außerdem kann ich viel besser mit meinen Gefühlen "umgehen", also sie in Worte fassen, sie mir eingestehen und so leben, wie ich es für richtig halte.

    Wenn jemand, der einem so nahe stand, stirbt und hinterher ein riesengroßes Chaos hinterlässt, muss es einen verändern. Und auch ohne Chaos, wenn jemand stirbt, ist nichts genauso wie vorher.

    Man lebt weiter...aber nicht, als hätte es diese Person nie gegeben, sondern mit dem Gefühl, einen geliebten Menschen verloren zu haben. Jemand fehlt und kann nicht durch anderes ersetzt werden. Aber es hilft doch schon, diese Person nicht zu vergessen. Da fällt mir ein Zitat ein:

    "Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt." (Bertolt Brecht)

    Ich kann das, was ich meine, nicht ausdrücken, ich kann nur immer wieder sagen, dass nach so einem Verlust kaum jemand so weiterleben kann, als ob es diese Person, die gestorben ist, nie gegeben hätte. Man lebt einfach mit dem Verlust weiter, jeder für sich.

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  6. Es ist traurig, wenn man einen Menschen so früh verliert, ganz besonders, wenn es ein netter, warmherziger Mensch war - und danach klingt es ja.

    Aber besser, man genoss diesen Menschen ein paar Jahre, als garnicht.

    Ich weiß nicht ob dich das tröstet, ich hoffe es aber.

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  7. @mys: Ich weiß, solche Sätze hört man oft - und sie sind so wahr.

    Aber ab und zu vergisst man das alles und man hat nur noch den Schmerz, der bleibt, der immer noch da ist. Die ganze Zeit verborgen, aber irgendwann bricht es aus einem heraus.

    Aber dir brauch ich das ja nicht zu erzählen.

    Danke für deine lieben Worte.

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Danke für deinen Kommentar. :-)