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Manchmal zählt nicht das, was war, sondern das, an was man sich noch erinnert. Leider.

Ich hatte meine Eltern noch nie verliebt küssen gesehen. Oder Händchen haltend. Dafür kann ich mich an ihre Streitereien sehr gut erinnern. Es ist fast so, als hätte ich die meiste Zeit meiner Kindheit damit verbracht, zu versuchen, nicht zu hören, wie meine Eltern stritten. Es gibt kaum Situationen, an die ich mich besser erinnern kann als die, in denen ich damals in meinem Zimmer im Bett lag, gehört habe, wie meine Eltern stritten und Angst hatte, dass sie sich etwas antaten, dass am Ende jemand verletzt sein würde, dass wir keine Familie mehr sein würden. Dabei waren wir nie wirklich eine.

Die Zeit heilt alle Wunden

Immer wieder diese scheiß Trauer über deinen Tod. Warum kann man sowas manchmal nicht einfach ausblenden und für einen kurzen Augenblick vergessen? Vergessen, wie das Leben war, als du noch lebtest. Nicht daran denken, wie es wäre, wenn du noch leben würdest. Was ich dir alles nicht erzählen konnte, wen ich dir alles nicht zeigen konnte.

Immer wieder dieselben Bilder, die gleichen Gedanken, tausend Tränen.

Zum Glück hast du dafür gesorgt, dass die Nacht über Menschen für mich da waren, die mich getröstet haben, die mir zugehört und mich in den Arm genommen haben. Und einen, der meine Hand die ganze Nacht über kein einziges Mal losließ.

Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist, wenn man sich einsam fühlt.

Und es ist noch viel schöner, zu merken, dass du Spuren hinterlassen hast. Heute, an deinem Geburtstag, beim Spiel St.Pauli gegen Hamburg, warst du dabei. Ich konnte dich wieder im Raum spüren.

Ich vermisse dich so. Den Tod anderer zu akzeptieren erscheint manchmal so unglaublich schwer.

Die Zeit heilt alle Wunden. Wenn es doch nur so wäre...

Nähergerückt


Glücklich. Glücklich. Glücklich.


Calgary, Las Vegas, Dubai, Japan, Philippinen.

Zwischen 4630 und 9870 Kilometern sind sie entfernt. 

Dank Facebook aber so nah wie noch nie. ♥

Geschwisterliebe


Ich liebe meine kleine Schwester.

Von ganzem Herzen.




Und jetzt seid gefälligst neidisch, weil sie meine kleine Schwester ist und nicht eure. ;-)

Wurzeln und Flügel

"Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel."

Johann Wolfgang von Goethe

Wurzeln, getränkt in Lügen, Verrat und Betrug. Liebe findet man wenig, nur vereinzelt. Früher, in einer Zeit, an die man sich nicht erinnern mag, sich nicht traut, es nicht wagt, aus Angst, sie war nur eine Illusion, früher gab es sie. Die liebevollen Eltern. Gute-Nacht-Geschichten zum Einschlafen, einen Gute-Nacht-Kuss auf Stirn, Wange, Mund, viele geliebte Haustiere. Wann hat das alles aufgehört zu existieren? Was ist schief gegangen? Wie konnte sich das Blatt nur so schnell wenden und warum hat da niemand etwas gegen getan? Oder konnte man nichts dagegen tun? Musste es einfach so kommen?

Wie konnten alle einfach so zulassen, dass Kinder von solchen Eltern erzogen wurden? Es gibt Dinge, von denen sollten Kinder in einem gewissen Alter noch nichts wissen, nichts erfahren, und auf keinen Fall verstehen. Manchen Kindern wird das Kindsein verwehrt.

Einige erlernen es wieder, weil sie alte, morsche und zerbrechliche Wurzeln ersetzt haben durch stärkere, in Liebe und Freundschaft getränkte Wurzeln. Weil sie ihre Flügel benutzt haben, auch wenn der Weg schwer und man selber kraftlos war. Weil es die scheinbar einzige Rettung zu sein schien.

Und andere...erlernen es sehr spät, vielleicht nie. Weil sie durch die Erfahrungen zu früh erwachsen geworden sind, sein mussten und nun nicht mehr zurück können. Vielleicht auch gar nicht mehr zurück wollen. Sie suchen ihr Glück nicht mehr in Liebe und Freunschaft von anderen Menschen, sondern in materiellen Dingen. Dinge, die sie nicht verletzen, verlassen oder beschuldigen können.

Schuld daran sind Menschen, die es zulassen. Die nicht merken, wie schnell die Seele eines Kindes zerstört werden kann. Die sich einreden, dass alles halb so schlimm sei. Die nicht mit ihrem Leben klarkommen und dafür den Kindern die Schuld geben.

Ein grausames Gefühl, wenn man merkt, wie die eigene Kindheit wirklich war. Wenn man zu begreifen anfängt, weil das Verdrängen unmöglich geworden ist.

Am schwersten daran...
Verstehen ohne zu hassen.
Vergeben ohne Schuldzuweisungen.

Wenn niemand da ist

Manchmal...ganz manchmal rede ich noch mit meinem Vater. Nur in Gedanken, denn was würde es ändern, wenn ich laut aussprechen würde, was ich an ihn richte? Trotzdem bilde ich mir manchmal ein, dass er das hört, was ich sage - und mir auch anwortet. Nicht mit Worten, sondern anders.

Jeden Tag hab ich das Gefühl, dass er bei mir ist. Dass er an mich denkt. Dass er mich beschützt. ♥

Ich vermiss ihn so.

Wenn ich anderen erzähle, dass mein Vater vor fast drei Jahren an Krebs gestorben ist, klappt das schon fast, ohne Tränen in den Augen zu bekommen. Aber jemandem dabei in die Augen gucken geht nicht. Weil sich das wie eine Lüge anfühlt. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich mir wünsche, dass es gelogen ist? Dass er noch lebt, ich ihn nur einfach nie wieder sehen kann? Ihn nie wieder um Rat fragen kann?

Es kommt mir immer noch so unwirklich vor. Ich glaube zwar, dass ich das alles schon längst vearbeitet habe...aber immer, wenn ich mir der Tatsache bewusst werde, dass der Tag im Krankenhaus, die Beerdigung, das Grab...dass das alles keim Traum war/ist, sondern dass es wirklich so passiert ist, kommen mir die Tränen und ich versuche, schnell auf andere Gedanken zu kommen. Weils sonst einfach nur schrecklich ist.

Und weil ich trotz allem immer noch das Gefühl habe, dass er noch da ist. Dass es ihn noch gibt. Dass er eben nicht tot ist. So fühlt es sich nunmal einfach für mich an. Ob ich nicht akzeptieren kann, dass er gestorben ist oder ob aus anderen Gründen, ich weiß es nicht. Mir kommt das alles so unwirklich vor...widersprüchlich...merkwürdig....ein bisschen falsch.

Wenn ich an seinem Grab stehe, kommt in mir eine Ohnmacht auf. Weil ich es nicht rückgängig machen kann, weil ich eine bessere Tochter hätte sein können, weil ich Angst habe, zu begreifen, dass da mein Vater begraben liegt. Weil das Begreifen so weh tut. Immer wieder.